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Das geteilte Deutschland

Nach dem Zweiten Weltkrieg besetzten die vier allierten Mächte (Die Sowjetunion, Frankreich, Das Vereinigte Königreich, und Die Vereinigte Staaten) vier Besatzungszonen in Deutschland und vier Sektoren in Berlin.

1949 entstand die Bundesrepublik Deutschland (BRD) in dem Westen. Unter Sowjetischen Herrschaft gründete man die Deutsche Demokratische Republik (DDR). Die Verfassung der BRD basierte sich weitgehend auf der Verfassung der Weimarer Republik. Um sich von der Nazi-Diktatur fernzuhalten, formuliert man Menschenrechte als der erste Artikel der Verfassung der BRD.

Artikel 1 des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland

(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schätzen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.

(2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.

(3) Die nachfolgenden Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht.

German Basic Law: Article 1

(1) Human dignity shall be inviolable. To respect and protect it shall be the duty of all state authority.

(2) The German people therefore acknowledge inviolable and inalienable human rights as the basis of every community, of peace and of justice in the world.

(3) The following basic rights shall bind the legislature, the executive and the judiciary as directly applicable law.

In der DDR wollte man auch die Demokratie verteidigen.

Artikel 6 der Verfassung der DDR

Art. 6. Alle Bürger sind vor dem Gesetz gleichberechtigt. Boykotthetze gegen demokratische Einrichtungen und Organisationen, Mordhetze gegen demokratische Politiker, Bekundung von Glaubens-, Rassen-, Völkerhaß, militaristische Propaganda sowie Kriegshetze und alle sonstigen Handlungen, die sich gegen die Gleichberechtigung richten, sind Verbrechen im Sinne des Strafgesetzbuches. Ausübung demokratischer Rechte im Sinne der Verfassung ist keine Boykotthetze.

Article 6 of the Constitution of the German Democratic Republic

All citizens have equal rights before the law. Incitement to boycott of democratic institutions or organizations, incitement to attempts on the life of democratic politicians, the manifestation of religious and racial hatred and of hatred against other peoples, militaristic propaganda and warmongering as well as any other discriminatory acts are felonious crimes within the meaning of the Penal Code. The exercise of democratic rights within the meaning of the Constitution is not an incitement to boycott.


Übung 9-9a: Compare Constitutions in English. Write a thoughtful comparison of the human rights articles in the constitutions of the Bundesrepublik Deutschland and the Deutsche Demokratische Republik in English. Based only on the texts, how do both articles seek to correct the practices of the German government from 1933-1945?

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Übung 9-9b: Frauen in den fünfziger Jahren Beide Verfassungen garantierten Gleichberechtigung für alle. Aber wie war das wirklich? Wie war es bei Frauen in den fünfziger Jahren?

Schauen Sie sich das Video 1953 Die Rolle der Frau in Ost und West.
Beantworten Sie Fragen am Ende des Videos.

Hier ist das Transkript des Videos über Gleichberechtigung in den fünfziger Jahren:

"Die Rolle der Frau in Ost und West"

Deutschland Anfang der fünfziger Jahre.
Die Städte sind wiederaufgebaut.
Im Westen boomt die Wirtschaft.
Doch nicht überall gibt es Fortschritt.
Im Verhältnis der Geschlechter dominieren die alten Rollenbilder. Die Frau soll treusorgende Gattin sein und fürsorgliche Mutti, wie es immer war.

(Margarete Mitscherlich, Psychoanalytikerin)
In dieser heilen Wirtschaftswunder-Welt knöpfte man an Traditionen an.
an Traditionen der dreißiger Jahren
zum Teil auch noch an das Bild der Frau unter Hitler,
das ja auch nicht vom Himmel fiel,
nämlich die Frau, die in der Familie nur glücklich ist, die dienen soll.
Eine Frau ohne Kinder ist keine richte Frau.
Wenn man allerdings die Filme sah
und das Sentimentale und Falsche daran erkannte
dann hat man darüber gelacht und gespottet.
Aber man selber war nicht frei von traditionellen Zwängen,
die weiter arbeiteten und so nicht loszuwerden sind.

Die Frau der Wirtschaftswunderzeit im Westen wirkt vor allem zu Hause.
Nur wenige sind berufstätig.
In der DDR dagegen wird did Arbeitskraft der Frau
bei wirtschaftlichen Aufbau benötigt.
Den Anforderungen im Beruf und in Familie zu genügen, ist eine Selbstverständlichkeit.

(Ute Mayer-Gräwe, Soziologin)
Das ging in einer Richtung, Frauen auch Berufsfelder zu erschließen,
die vormals wirklich die knallharten Männerberufe waren.
Aber meines Erachtens war das nicht in erster Linie der Ambition geschuldet
jetzt Frauen unbedingt die Gleichberechtigung zu schenken,
sondern es hatte knallharte ökonomische Gründe.

Und so geht es weiter hin in Ost und West.
Wenn eine Frau berufstätig sein will, muss sie ihren Mann um Erlaubnis fragen.

(Willi Raddatz, Zeitzeuge)
Gleichberechtigung... Man kannte das Wort früher gar nicht.
Was war früher Gleichberechtigung?
Der Mann soll arbeiten und das Oberhaupt der Familie sein.

Dabei schreibt das Bonner Grundgesetz die Gleichberechtigung von Mann und Frau vor.
Das Bundesverfassungsgericht fordert 1953 Gesetzesänderungen ein.
Doch erst Jahre später hat der Mann nicht mehr das letzte Entscheidungsrecht in Ehefragen.
Ansonsten bleibt Vieles wie bisher.

(Susanne Baer, Juristin)
Die patriarchalen Restbestände des Familienrechts blieben darin.
Die Hausfrauenehe blieb Leitbild.
Das Steuerrecht wurde nicht angetastet.
Das Arbeitsrecht wurde nicht angetastet.

Bis in die siebziger Jahre dürfen Frauen nur arbeiten, wenn sie ihre Pflichten zu Hause nicht vernachlässigen.
Für ihre volle Gleichberechtigung in der Ehe und am Arbeitsplatz kämpfen die Frauen noch Jahrzehnten.