Die Physiker Seite 33

FRAU ROSE
stimmt nicht. Ich habe es jetzt noch schwerer. Oskar bringt sechs Buben in die Ehe mit.
FRL. DOKTOR
Sechs?
MISSIONAR ROSE
Sechs.
FRAU ROSE
Oskar ist ein leidenschaftlicher Vater.1 Doch nun sind neun Kinder zu füttern und Oskar ist durchaus nicht robust, seine Besoldung kärglich.
Sie weint.
FRL. DOKTOR
Nicht doch, Frau Rose, nicht doch. Keine Tränen.2
FRAU ROSE
Ich mache mir die heftigsten Vorwürfe, mein armes Johann Wilhelmlein im Stich gelassen zu haben.
FRL. DOKTOR
Frau Rose! Sie brauchen sich nicht zu grämen.
FRAU ROSE
Johann Wilhelmlein wird jetzt sicher in einer staatlichen Heilanstalt interniert.
FRL. DOKTOR
Aber nein, Frau Rose. Unser braver Möbius bleibt hier in der Villa. Ehrenwort. Er hat sich eingelebt und liebe, nette Kollegen gefunden. Ich bin schließlich kein Unmensch.
FRAU ROSE
Sie sind so gut zu mir, Fräulein Doktor.
FRL. DOKTOR
Gar nicht, Frau Rose, gar nicht. Es gibt nur Stiftungen. Der Oppelfond für kranke Wissenschaftler, die Doktor-Steinemann-Stiftung. Geld liegt wie Heu herum, und es ist meine Pflicht als Ärztin, Ihrem Johann Wilhelmlein davon etwas zuzuschaufeln.3 Sie sollen mit einem guten Gewissen nach den Marianen dampfen dürfen. Aber nun wollen wir doch unseren guten Möbius mal herholen.
Sie geht nach dem Hintergrund und öffnet Türe Nummer 1. Frau Rose erhebt sich aufgeregt.
FRL. DOKTOR
Lieber Möbius. Sie erhielten Besuch. Verlassen Sie Ihre Physikerklause und kommen Sie.


1Oskar ... Vater: Oscar is a passionate (i.e. enthusiastic) father (Observe the ironic double meaning of the adjective) [RETURN TO TEXT]
2nicht doch, Keine Tränen: Please, don't cry! [RETURN TO TEXT]
3Ihrem ... zuzuschaufeln: to let your good Johann Wilhelm have some of it (lit. toi shovel some of it in the direction of ...) [RETURN TO TEXT]


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