Die Physiker Seite 21

Er nimmt kurzentschlossen eine Zigarre aus einem Etui, zündet sie an, raucht. Durch die Flügeltüre kommt Blocher.
BLOCHER
Wir sind fahrbereit, Herr Inspektor.
Der Inspektor beruhigt sich, brummt.
INSPEKTOR
Kehr mit der Mannschaft in die Stadt zurück, Blocher. Ich komme dann nach.
BLOCHER
Zu Befehl, Herr Inspektor.
Blocher ab.

Der Inspektor pafft vor sich hin, erhebt sich, stapft trotzig im Salon herum, bleibt vor dem Porträt über dem Kamin stehen, betrachtet es. Inzwischen hat das Geigen und Klavierspiel aufgehört. Die Türe von Zimmer Nummer 2 öffnet sich und Fräulein Doktor Mathilde von Zahnd kommt heraus. Bucklig, etwa fünfundfünfzig, weißer Ärztemantel, Stethoskop.

FRL. DOKTOR
Mein Vater, Geheimrat August von Zahnd. Er hauste in dieser Villa, bevor ich sie in ein Sanatorium umwandelte. Ein großer Mann, ein wahrer Mensch. Ich bin sein einziges Kind. Er haßte mich wie die Pest, er haßte überhaupt alle Menschen wie die Pest. Wohl mit recht, als Wirtschaftsführer taten sich ihm menschliche Abgründe auf,1 die uns Psychiatern auf ewig verschlossen sind. Wir Irrenärzte bleiben nun einmal hoffnungslos romantische Philanthropen.
INSPEKTOR
Vor drei Monaten hing ein anderes Porträt hier.
FRL. DOKTOR
Mein Onkel, der Politiker. Kanzler Joachim von Zahnd.


1taten sich ... auf: he was made aware of the deep abysses in human nature [RETURN TO TEXT]


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