Tagesschau, 31 Januar 2018

Guten Abend meine Damen und Herren.
Ich begrüße Sie zur Tagesschau.
Der Tariffkonflikt in der Metall- und Elektroindustrie droht zu eskalieren.
Die Gewerkschaft liegt heute mit ganztägigen Warnstreiks die Produktion in zahlreichen Betrieben lahm.
Etwa 78 tausend Beschäftigte beteiligen sich laut EG-Metall an den neuen Mittel im Arbeitskampf.
Die 24-stündigen Warnstreiks sollen in den kommenden Tagen fortgesetzt werden.
Die Arbeitgeber reagierten mit Klagen vor den Arbeitsgerichten.
Lautstarke Proteste in Saarbrücken für mehr Lohn und flexibilere Arbeitszeiten.
Belegschaften in ganz Deutschland machen mit, wie auch hier in Hamburg.
24 Stunden dauern die Streiks jeweils.
Es soll ein deutliches Signal an die Arbeitgeber sein, nachdem Tariffverhandlungen am Wochenende ohne Ergebnis blieben.
Wir wären bereit gewesen letztes Wochenende, einen Abschluß zu finden, aber er hat offensichtlich nicht ausgereicht den Druck, den wir entwickelt haben
Deswegen auch diese Eskalation und hoffentlich ein Ergebnis entsteht.
Die Branche kann sich sicherlich alles leisten, bloß kein Flächenstreik.
Beide Seiten sind weit voneinander entfernt.
Die IG-Metall verlangt 6% mehr Geld bein einer Laufzeit von 12 Monaten und die Möglichkeit zur Reduzierung der Arbeitszeit.
Das Angebot der Arbeitgeber sind 6,8% Lohnsteigerung, allerdings über eine deutlich längere Laufzeit von 27 Monaten.
Einen Ausgleich für reduzierte Arbeitszeiten, wie die Gewerkschaft fordert, lehnen sie strikt ab.
Die 24-Stunden-Streiks halten die Arbeitgeber für überzogen und klagen dagegen.
Wir müssen davon ausgehen, dass die Tagesstreiks schon zu mehreren hundertmillionen Schaden führen.
Sie können das hochrechnen im Falle eines Flächenstreiks.
Insofern ist jede Streikmaßnahme über die Tagesstreiks hinaus unmöglich, unverantwortlich - das ist nicht akzeptabel. Für die verrursachte Kosten der Streiks wollen die Arbeitgeber nun Schadenersatzansprüchd geltend machen.

Der Bundestag hat in einer Feierstunde der Opfer des Nationalsozialismus gedacht.
Die zentrale Rede hielt die Auschwitz-überlebende Anita Lasker-Wallfisch.
Sie warnte eindringlich vor einem Wiedererstarken des Antisemitismus.
Lobende Worte fand Lasker-Wallfisch für die Flüchtlingspolitik.
Die Deutschen hätten Mut und Menschlichkeit bewiesen, als sie 2015 ihre Grenzen für Flüchtlinge öffneten.
Sie hat das Grauen erlebt -- die Jüdin Anita Lasker-Wallfisch überlebte Auschwitz, weil ihr ein Zufall half.
Sie spielte Cello, wurde verpflichtet für das Lagerorchester und musste musizieren beim Abmarsch der Zwangsarbeiter, für das Lagerpersonal in unmenschlicher Umgebung.
Wir konnten alles sehen: die Ankunftszeremonien, die Selektionen, die Kolonnen von Menschen, die Richtung Gaskammern gingen und in Rauch verwandelt wurden.
Musik wurde für sie innerer Zufluchtsort, den konnten ihr die Nazis nicht nehmen.
Aber sie setzten ihrem Familienleben ein Ende.
Ihre Eltern wurden ermordet.
Der Bundestagspräsident warnt in seiner Rede vor neuer Ausgrenzung,
verweist auf Verrohung im Internet, Gewalt aus Hass etwa gegen Flüchtlinge.
Die große Mehrheit in diesem Land ist nicht ausländerfeindlich und gar nicht gewalttätig.
Es muss uns aber beunruhigen, wenn Angriffe auf Zuwanderer, Flüchtlinge und deren Unterkünfte stillschweigend oder gar laut gebilligt werden.
Wie Schäuble warnte Lasker-Wallfisch vor Judenhass
und wendet sich an jüngere Generationen.
Man kann es eigentlich der heutigen Jugend nidht verübeln,
dass sie sich nicht mit dem Verbrechen identifizieren wollen.
Aber leugnen, dass das auch zur deutschen Vergangenheit gehört, darf nicht sein.
Die Aufnahme von Flüchtlingen nennt sie eine mutige menschliche Geste und bekommt viel Applaus für ihre ergreifende Rede.

US-Präsident Trump hat in seiner ersten Rede an die Nation ein positives Bild von der Lage im Land gezeichnet.
Der US-amerikanischen Wirtschaft gehe es so gut wie lange nicht.
Das sei verdienst seiner Regierung, sagte Trump.
Die US-Bürger rief er zu Einheit und Zusammenhalt auf,
erklärte aber gleichzeitig, an seinen umstrittenen politischen Projekten festzuhalten.
Frohe Botschaften verkündet der Präsident -
es gehe aufwärts mit Amerika:
sinkende Arbeitslosigkeit, steigende Firmeninvestitionen, Bösen-Boom,
dank seiner Politik.
Die Lage der Nation sei lange nicht so erfreulich gewesen, sagt Trump.
Nie gab es eine bessere Zeit, den amerikanischen Traum zu leben.
Allen US-Bürgern rufe ich zu, egal woher ihr kommt, dies ist eure Zeit.
Trump verspricht milliardenschwere Investitionen in die marode Infastruktur.
Wie dies finanziert werden soll, sagt er nicht.
Bei seinen umstrittenen Einwanderungspolitik macht der Präsident den Demokraten ein Angebot.
Die Opposition solle Geld für die geplante Grenzmauer zu Mexiko bewilligen
und den Familiennachzug von legalen langlebenden Einwandern beschränken.
Im Gegenzug werde er 1,87 Millionen illegalen Immigranten einen Weg zur Staatsbürgerschaft ebnen,
darunter den sogenannten Dreamern, die als Kinder in die USA kamen.
Der Präsident gibt sich großzügig den Dreamern gegenüber, dabei macht er sie zu Geiseln der extremsten Anti-Einwanderungspolitik seit Generationen.
Außenpolitisch steuert Trump einen harten Kurs,
fordert massiven Druck auf das Regime in Nordkorea
und den Ausstieg aus dem Atomabkommen mit dem Iran.
Das Gefangenenlager in Guantanamo will Trump offenhalten.
Trumps Rede hat hier ein geteiltes Echo ausgelöst.
Während seine Anhänger seine wirtschaftspolitischen und nationalistischen Kurs feiern,
kritisieren seine Gegner, der Präsident trete amerikanische Werte mit Füßen
und spalte die Nation wie kein anderer.
Trump tauge nicht als Brückenbauer.